Wie lange ist eigentlich dein letzter Erste Hilfe-Kurs her?

Erste Hilfe leisten kann man in vielen Situationen, ob es sich um Verbrennung, Unfall oder Herz-Kreislauf-Stillstand handelt.

Leider lesen wir gerade im Sommer immer wieder von Ertrinkungsunfällen. Es ist Badesaison und so ein Unfall schneller passiert als man denkt. Oder als man gucken kann.

Noch vor ein paar Wochen hatte ich mit meinen eigenen Kindern nach dem Schwimmkurs eine Situation, die mich ganz ordentlich wachgerüttelt hat: Ich hatte mich nur 2 Sekunden umgedreht um die Schwimmtasche zu packen, und mein Sohn ist in der Zeit weggelaufen und ins tiefe Wasser gesprungen, um meiner Tochter zu zeigen, dass er jetzt auch schwimmen kann.

Völlig untypisch für ihn, und ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass er so etwas macht. Kaum im Wasser hat er plötzlich Angst bekommen und vergessen, wie das mit dem Schwimmen noch einmal ging. Glücklicherweise konnte meine Tochter ihn so lange über Wasser halten, bis ich selbst im Wasser war und ihn herausgeholt hatte… Der Schreck saß tief… Aber jetzt bin ich sehr dankbar, dass nichts passiert ist und nehme die Situation um daraus zu lernen.

Solche Dinge passieren. Man kann sich nicht vor allem schützen. Aber wenn es dazu kommen sollte: fühlst du dich sicher darin, wie du helfen kannst?

Die meisten von uns haben ja zumindest für den Führerschein einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Besonders wie die Wiederbelebung mit Beatmung und Herzmassage geht, sollte man in einem Kurs lernen (und auffrischen), bei dem alles an einer Puppe genau erklärt wird. Frisch nach so einem Kurs fühlt man sich dann hoffentlich relativ sicher, was im Ernstfall zu tun ist.

Aber irgendwann schleichen sich Unsicherheiten ein, die möglicherweise davon abhalten, schnell (oder überhaupt) zu handeln.

Optimalerweise macht man dann einen Auffrischungskurs. (Und hofft bis dahin, dass schon nichts passieren wird…).

Um dir bis zum nächsten Kurs ein paar mögliche Unsicherheiten zu nehmen, findest du hier 6 Fragen und Antworten dazu, was du bei Herz-Kreislauf-Stillstand tun kannst. Mit ein paar Besonderheiten für den Fall, dass es sich um ein Kind handelt.

1. „Wenn ich eine bewußtlose Person finde, bin ich unsicher, was ich als erstes tun soll und überlege vielleicht zu lange… Was tun?“.

Ruf um Hilfe. Dann Person auf den Rücken drehen (wenn möglich auf fester Unterlage), Atemwege frei machen. Bei Erwachsenen: Kopf nach hinten überstrecken, bei Säuglingen oder Kleinkindern in gerader Position lassen, also nicht nach hinten kippen (evtl. wegen großem Hinterkopf ein Tuch unter die Schultern legen, um eine gerade Lage zu erreichen).

Atmet die Person? Das so überprüfen: hörst du Atemgeräusche? Fühlst du Luftbewegungen aus Mund und Nase oder Bewegungen des Brustkorbs? Siehst du Bewegungen des Brustkorbs?

Nicht länger als 10 Sekunden suchen. Wenn Atmung vorhanden ist: stabile Seitenlage. Im Zweifel so handeln, als sei keine Atmung vorhanden und 5 mal beatmen (weiterer Ablauf der Wiederbelebung s.u.).

2. „Muss ich überhaupt beatmen?“

Die Ursachen für einen Herz-Kreislaufstillstand sind bei Erwachsenen und Kindern unterschiedlich. Bei Erwachsenen ist eher das Herz „schuld“, bei Kindern liegt die Ursache aber häufig in den Atemwegen (wie z.B. ein Ertrinkungsunfall). Bei Erwachsenen kann man daher – bevor man gar nichts tut- notfalls als Laie auch auf die Beatmung verzichten. Bei Kindern sollte beatmet werden.

3. „Wie ist der Unterschied bei der Beatmung von Erwachsenen und Kindern?“

Die Position ist wie oben beschrieben unterschiedlich: Bei Erwachsenen und größeren Kindern den Kopf nach hinten strecken. Dann Mund zuhalten und in die Nase beatmen. Bei kleineren Kindern und Säuglingen Kopf in eine Linie mit dem Körper bringen, deren Nase und Mund gleichzeitig mit dem Mund umschließen und beatmen. Ein Atemzug in einer Sekunde. Daran denken, dass kleine Kinder kleine Lungen haben: bei Säuglingen reicht ein Mund voll Luft.

4. „Muss ich den Brustkorb drücken?“

Die Frage ist: Schlägt das Herz noch ausreichend? Es kann sehr schwer sein, im Notfall schnell genug den Herzschlag über den Puls sicher zu tasten. Es sollten nicht mehr als 10 Sekunden vergehen, bis gehandelt wird. Daher kann man die Situation danach einschätzen, wie die bewußtlose Person auf die Beatmung reagiert: Bewegung, Husten, Atmung? Auch hier gilt: im Zweifel so handeln, als sei kein Herzschlag vorhanden. Also Brustkorb drücken.

Und keine Angst vor Rippenbrüchen: bei Kindern sind die Knochen noch sehr elastisch, und auch bei Erwachsenen wäre eine gebrochene Rippe weitaus weniger schlimm als ein Herzstillstand.

Auch davor, versehentlich ein noch schlagendes Herz zu drücken, braucht man im Notfall keine Angst zu haben. Man bringt das Herz nicht durcheinander. Außerdem kann der Herzschlag auch viel zu langsam sein, um den Körper ausreichend zu versorgen, so dass man zusätzlich drücken muss.

5. „Wie soll ich den Brustkorb drücken?“

Einfach gemerkt: Schnell und kräftig! (Etwa 100-120 mal pro Minute.) Kräftiger als du vielleicht denkst – und das Entlasten zwischendurch nicht vergessen.

Bei Kindern unter einem Jahr den Brustkorb umfassen und mit 2 Daumen in der Mitte der unteren Hälfte des Brustkorbs mindestens 4 cm eindrücken.

Bei Kindern über einem Jahr mit einer Hand (Handballen) mindestens 5 cm tief drücken. Bei größeren Kindern und Erwachsenen 2 Hände verwenden. Dabei darauf achten, dass die Arme beim Drücken gestreckt sind und dein Körperschwerpunkt über dem Brustkorb ist, damit es fest genug wird.

Im Wechsel 2x beatmen, 30 mal drücken. (Fachleute haben einen etwas anderen Rhythmus, aber so ist es für Laien am einfachsten.)

6. „Wie war nochmal die richtige Reihenfolge bei der Wiederbelebung?“

Es gibt verschiedene Gesellschaften, die Empfehlungen aussprechen, welche sich leicht unterscheiden. Außerdem wird unterschieden, wie Fachleute oder Laien vorgehen sollen. Das Wichtigste ist aber, dass man überhaupt etwas macht.

Ich stelle hier den Laienalgorithmus nach einer Vorlage des German Resuscitation Council und Austrian Resuscitation Council vor:

 

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Noch einmal zur Ermutigung: keine Angst davor, etwas „falsch“ zu machen. Die Haupsache ist, dass du etwas tust.

Und wie gesagt: Dieser Artikel dient zur Auffrischung, um möglichst kurz das Wichtigste in Erinnerung zu rufen. Er kann keinen Kurs ersetzen.

Aber wenn er auch nur dazu hilft, dass du im Notfall ein bisschen schneller oder sicherer handeln kannst, habe ich den Artikel nicht umsonst geschrieben…

 

Quelle: Monatsschrift Kinderheilkunde 3/2016, neue Reanimationsleitlinien von Oktober 2015