Ich hatte ja eigentlich geplant, als nächsten Artikel wieder ein typisch medizinisches Thema zu nehmen. Husten oder so. Aber dann hat mich ein kleines Ereignis ins Grübeln gebracht.

Und da der Jahreswechsel ja eine beliebte Zeit für gute Vorsätze ist, finde ich das Thema gerade sehr passend.

Folgende Situation: eine liebe Frau, die unseren Haushalt nicht so gut kennt, hilft mir kurz vor Weihnachten beim Putzmarathon. Sie bringt mir einen vollgestopften Mülleimer aus dem Kinderzimmer und fragt: „Wo kann ich das entsorgen?“

Meine spontane Reaktion: „Geben Sie mal her, ich mach das!“

Sie lacht und sagt: „Ja, ja, typisch Mama!“

Erwischt.
Das höre ich gar nicht gerne. Aber es bringt mich zum Nachdenken.

Dieses: Lass mal, ich mach das schon!“ oder „Gib mal her, ich mach das schnell!“                  Warum sagen wir so etwas? Warum ist das „typisch Mama“?

Zu meiner Ehrenrettung möchte ich mal eben kurz – aber ganz entschieden –  sagen, dass ich grundsätzlich eigentlich ganz anders denke.

Mir ist wichtig, dass meine Kinder lernen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie sollen mit „Messer, Gabel, Schere, Licht“ umgehen können. Sie sollen schneiden, kleben, basteln, matschen und mir beim Kochen und Backen helfen, wenn sie Lust haben. Sobald sie ein Ei festhalten konnten, durften sie beim Backen Eier aufschlagen (auch wenn es nach den ersten Versuchen ganz schön glitschig in der Küche war…). Sie bekommen Hammer und Nägel, wenn sie damit spielen wollen, und dürfen mit Streichhölzern Kerzen anzünden (wenn ich dabei bin, natürlich…). Und selbstverständlich sollen sie Sachen ausprobieren, die sie noch nicht können. Wie sollen sie es sonst lernen?

Wie komme ich also dann darauf, den Kindern etwas abzunehmen, das sie selbst tun können und wollen? Und warum tun andere Mütter (und Väter) das?

Interessant finde ich, dass es dazu so unterschiedliche Beweggründe gibt. Derselbe Satz, aber dahinter ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

Mir fallen folgende „Übersetzungen“ ein, wenn jemand sagt: „Lass mal, ich mach das“:

Er /sie meint damit vielleicht:

„Mach dich nicht schmutzig“

„Mach die Küche nicht schmutzig“

„Du könntest dich verletzen“

„Du könntest etwas kaputt machen“

„Du könntest krank werden“

„Das wird schöner/ordentlicher, wenn ich es selbst mache“

„Hinterher muss ich alles sowieso noch einmal machen“

„Das geht mir zu langsam, wenn du das machst“

Und so weiter.

Die Bedürfnisse dahinter sind also zum Beispiel Ordnung, Sauberkeit, Gesundheit, Ruhe … bei jedem was anderes.

Erkennt ihr euch irgendwo wieder? So ab und zu? Ich sage das ja auch nicht dauernd, aber wenn ich ehrlich bin, kommt es immer mal vor.

Zurück zu meinem vollen Mülleimer. Ich habe also darüber nachgedacht, warum ich eigentlich gesagt habe: „Ich mach das.“

Die Übersetzung bei mir lautet: „Ich habe jetzt gerade keine Lust, ausführlich zu erklären, wie wir den Müll trennen. Mir ist es zu anstrengend, darüber nachzudenken, wie ich das erklären soll. Bevor ich das erklärt habe, habe ich es schnell selbst gemacht.“

Bei mir war es also Bequemlichkeit. Ich wollte Leichtigkeit. Und Ruhe. Ich hatte keine Lust, mich anzustrengen und alles zu erklären. Aber was habe ich langfristig davon? Beim nächsten Mal mache ich es dann wieder selbst?

Nachdem ich über alles nachgedacht hatte, lautete mein guter Vorsatz (nicht zum neuen Jahr, sondern ab sofort):

Wenn mich jemand fragt, wie etwas geht, werde ich es nicht aus Bequemlichkeit selbst machen. Ich werde mir die Mühe machen, es so gut zu erklären, dass mein Kind (oder wer auch immer) es versteht und umsetzen kann.

Dadurch gewinne ich ja auch Einiges: Natürlich habe ich langfristig gesehen weniger Arbeit, wenn ich Dinge so weitergebe, dass jemand anderes sie ausführen kann.

Aber mir gefällt auch der Gedanke, dass ich dadurch viel achtsamer werde. Und Geduld übe. Ich muss mir genau überlegen, wie etwas funktioniert und wie ich das formuliere.

Und so lernt mein Kind nicht nur das, was es mich gefragt hat, sondern auch, wie man sich ausdrücken kann, wie man erklären, achtsam und geduldig miteinander umgehen kann.

So denke ich mir das.

Was sind eure Erfahrungen? In welchen Situationen sagt ihr „Ich mach das mal eben schnell“? Und warum?

Ich bin neugierig auf eure Antworten und wünsche euch allen noch einen guten Start ins neue Jahr – ob mit oder ohne Vorsätze.